Planungsgrundlagen zur Dachbegrünung

Die angeführten Planungshinweise sind vor allem bei Wohn- und Industriegebäuden genau zu beachten, bei „untergeordneten“ Flächen wie Carports, Garagen usw. müssen nicht alle Punkte beachtet werden.

 

Normen und Richtlinien
- Fachgerechte Ausführung der Dachabdichtung nach den Flachdach-Richtlinien und den Dachabdichtungsnormen (DIN 18531 und DIN 18195)
- Fachgerechte Ausführung der Dachbegrünung nach den FLL-Richtlinien (Forschungsgesellschaft Landschaftsentwicklung Landschaftsbau)
- Fachgerechte Pflege der Dachbegrünung nach den FLL-Richtlinien und den Empfehlungen von FLL, FBB (Fachvereinigung Bauwerksbegrünung), ZVDH (Zentralverband des Deutschen Dachdeckerhandwerks), BGL (Bundesverband Garten-, Landschafts- und Sportplatzbau

Dachkonstruktionen
Nicht alle Dachkonstruktionen sind für alle Begrünungsarten (extensiv und intensiv) gleich gut geeignet. Warmdächer (nicht durchlüftete Dächer) sind grundsätzlich für alle Begrünungsarten geeignet, dagegen Kaltdächer (durchlüftete Dächer) ebenso wie Umkehrdächer in der Regel nur für Extensivbegrünungen. Im Zweifelsfall ist ein Bauphysiker hinzu zu ziehen

Statik: zusätzliche Flächenlast
Extensivbegrünungen wiegen in der Regel 80–170 kg/m², bei „Leichtdachbegrünungen“ sogar nur etwa 50 kg/m². Intensive Dachbegrünungen haben Flächenlasten ab ca. 300 kg/m². Die Angaben beziehen sich auf den wassergesättigten Zustand mit Vegetation. Die Schneelast und gegebenenfalls Verkehrslast sind gesondert zu berechnen. Eine Extensivbegrünung wie sie oft auf Carports und Garagen zu sehen sind wiegt etwa 120 kg/m², was einer Kiesschicht von etwa 5-6 cm entspricht. Das heißt, wenn auf der Garage vorher schon Kies als Schutzbelag war, wäre eine ausreichende Lastreserve für eine Extensivbegrünung vorhanden.

Wurzelschutz
- Entweder übernimmt die Dachabdichtung auch gleichzeitig die Funktion des Wurzelschutzes oder es wird zusätzlich zur (nicht-wurzelfesten) Dachabdichtung eine separate Wurzelschutzbahn aufgebracht - Die Dachabdichtung bzw. die Wurzelschutzbahn muss das FLL-Prüfverfahren auf Durchwurzelungsfestigkeit ohne Beanstandungen erfolgreich absolviert haben. Dabei wird in einem von der FLL vorgegebenen zwei- oder vierjährigen Untersuchungsverfahren die Wurzelfestigkeit überprüft und ein Untersuchungsbericht angefertigt. Die Fachvereinigung Bauwerksbegrünung e.V. (FBB) bietet eine Liste der wurzelfesten Bahnen und Beschichtungen an, die die FLL-Prüfung erfolgreich bestanden haben: WBB-Liste. - Der Wurzelschutz muss je nach Dachneigung im Randbereich 5-10 cm über die Oberfläche des Substrats hinausgezogen, wegen der Gefahr der Hinterwurzelung fixiert und vor mechanischer Beschädigung und UV-Strahlung geschützt werden. - Begrünte Dachflächen sollten vollflächig mit Wurzelschutz unterlegt werden, d.h. auch die Bereiche, die nicht direkt begrünt sind ( wie z.B. Kiesrand, Terrasse). Denn bei fehlender bzw. mangelhafter Pflege können sich auch bei vormals unbegrünten Teilflächen Pflanzen spontan ansiedeln. - Nur erfahrene und qualifizierte Fachfirmen sollten Dachabdichtungs- und Wurzelschutzbahnarbeiten durchführen.

Dachneigung
Gründächer sind ohne größere Probleme bei Dachneigungen von 0° bis etwa 30° herzustellen. Erfahrene Systemanbieter und Fachfirmen errichten in Sonderfällen auch Steildächer von 45°-90° (Tonnendächer). Ab 15 Grad Dachneigung sind konstruktive Maßnahmen zur Schubsicherung des Gründachaufbaus zu treffen. Dächer mit einem Gefälle unter 2 % stellen nach den Flachdachrichtlinien Sonderkonstruktionen dar, wodurch erhöhte Anforderungen an die Dachabdichtung gestellt werden. Bei Intensivbegrünungen sind aufgrund des gewünschten Wasserrückhaltes 0°-Dächer erwünscht, bei Extensivbegrünungen sind eher Dächer mit Gefälle zu empfehlen. Unter begehbaren Dachflächen sind Gefälle von 2 Prozent zwingend vorzusehen.

Windsoglast/Verwehsicherheit
Bei losen verlegten Dachabdichtungen sind Mindestgewichte zur Sicherung der Abdichtung gegen Abheben zu beachten. Eck- und Randbereiche sind besonders bei höheren bzw. windexponierten Gebäuden betroffen. Ist die Abdichtung mechanisch fixiert und ist somit eine Last zur Sicherung nicht notwendig, ist der Schichtaufbau des Gründachs dennoch bei großen Gebäudehöhen verwehsicher einzubauen. Das kann durch Vegetationsmatten und zusätzlich mit Kies verfüllten Rasengittersteinen im Randbereich erfolgen. Kleinflächige Dachbegrünungen im privaten Wohnungsbau benötigen i.d.R. keine besondere Maßnahmen.

Brandschutzvorschriften
In der Regel gelten Dachbegrünungen als „Harte Bedachung“. Die länderspezifischen Brandschutzvorschriften sind zu beachten. Vor Fensteröffnungen sind in der Regeln Kies- oder Plattenstreifen in einer Mindestbreite von 50 Zentimetern vorzusehen.

Dächer ohne Wärmedämmung:
Auf Dächern ohne Wärmedämmung über unbeheizten Räumen (z.B. Garagendächer, Vordächer etc.) sind alle Begrünungsarten möglich.

Dächer mit Wärmedämmung:
Bei Dächern mit Wärmedämmung sind, in Abhängigkeit von der Bauweise, besondere Kriterien bei der Planung und Ausführung der Dachbegrünung zu beachten. Generell muss der verwendete Wärmedämmstoff eine ausreichende Druckfestigkeit für die Last der Begrünung aufweisen.

Einschalige, nicht durchlüftete Dächer ("Warmdach"):
Je nach Lastannahme sind unterschiedliche Begrünungsarten möglich. Bereits bei der Planung sollte Wert auf eine hochwertige Dampfsperre gelegt werden.

Zweischalige, belüftete Dächer ("Kaltdach"):
Die geringe Tragfähigkeit der oberen Schale lässt in der Regel nur Begrünungsarten mit niedrigen Lastannahmen zu. Der Kühleffekt der Begrünung kann Einfluss auf die Durchlüftung des Dachaufbaus nehmen.

Umkehrdächer
Bei Umkehrdächern liegt die Wärmedämmung oberhalb der Dachabdichtung im wechselfeuchten Bereich. Die im Begrünungsaufbau verwendeten Folien und Schichten dürfen Dampfdiffusionsvorgänge aus dem Dämmstoff nicht behindern. DUO-Dächer sind Dachkonstruktionen, bei denen die UK-Dämmung als zusätzliche Wärmedämmung anrechenbar ist. Sie kann ggf. als Dränageelement eingesetzt werden. Dieser Aufbau vereint die Vorteile des "Warmdachs" mit denen des Umkehrdachs.

Entwässerung
Das Überschusswasser des Gründachaufbaus wird über die Dränageschicht zum Ablauf hingeführt. Die Dachentwässerung erfolgt dann ebenso wie bei unbegrünten Dächern über innen- oder außenliegende Abläufe/Rinnen. Etwa 200-300 Quadratmeter begrünte Dachfläche können unter Normalbedingungen an einen Ablauf mit einer Öffnungsweite von DN 100 angeschlossen werden. Jedes Dach, egal in welcher Größe, benötigt mindestens einen Ablauf und einen Notüberlauf. Bei Carports und Garagen ist i.d.R. ein Ablauf ausreichend.

Schichtaufbau je nach Pflanzenziel bzw. Nutzungsform
Bevor man den Schichtaufbau und damit auch die entsprechenden Anschlusshöhen der Dachabdichtung und zusätzlichen Lasten festlegt, sollte die Nutzungsform und das Begrünungsziel feststehen. Besonders Steildachbegrünungen und Intensivbegrünungen erfordern eine genaue Planung, insbesondere bei der Anlage von Teichen und Rasenflächen auf dem Dach. Carports und Garagen sind weniger aufwändig und können auch mit Selbstbau verwirklicht werden.

Bewässerung
Auch Extensivbegrünungen benötigen in der Anwuchsphase Wasser. Aus diesem Grund sind Wasseranschlüsse auf oder in der Nähe des Daches einzuplanen. Für intensiv begrünte Dächer, die einer kontinuierlichen Wasserzufuhr bedürfen, bietet sich ein Wasseranstau in der Dränageschicht, idealerweise mit automatischer Bewässerung, an. Damit wird der Bewässerungsaufwand stark reduziert und optimiert, da zuerst das natürliche Regenwasser genutzt wird. Es gibt sowohl Unterflur-Bewässerungssysteme als auch Systeme zur oberflächlichen Bewässerung (z.B. Tropfschläuche).

Absturzsicherung
Maßnahmen zur Absturzsicherung müssen von vorne herein eingeplant werden, wenn die Dachfläche höher als 3 Meter ist. Bei begehbaren Dachgärten sind Geländerkonstruktionen unabdingbar, bei Extensivbegrünungen sind für die Pflege und Wartung Anschlageinrichtungen für die persönliche Schutzausrüstung vorzusehen. Diese Anschlagpunkte können so eingebaut werden, dass sie nicht durch die Dachabdichtung gehen und nicht in die Unterkonstruktion eingreifen, sondern ihre Standsicherheit durch die Auflast des Gründachaufbaus erhalten.

Zugang zum Dach
Ähnlich wichtig wie der vorgenannte Punkt, ist Sicherstellung eines problemlosen Zugangs der Dachfläche zu jeder Nutzungsphase.