Mehrfachnutzen Dachbegrünung im Überblick

  • Schutz der Dachabdichtung vor Extrembeanspruchung bei Spitzentemperaturen im Sommer und Winter.
  • Schutz der Dachabdichtung vor Wind- und Witterungseinflüssen wie Sturm, Hagel, UV-Strahlung – damit verlängerte Lebensdauer der Dachabdichtung gegen der unbegrünten Variante. Fachleute sprechen von einer doppelt so langen Zeit ohne Reparaturen oder Komplettsanierungen.
  • Wärmedämmleistungen im Winter und Hitzeschild im Sommer und damit ein Beitrag zur Energieeinsparung.
  • Dachbegrünungen erhöhen de Wirkungsgrad von Photovoltaikanlagen bei der Kombination Photovoltaik/ Dachbegrünung.
  • Wasserrückhaltung – je nach Begrünungsart jährlich 30-99% des Niederschlags.
  • Minderung der Spitzenabflüsse – je nach Begrünungsart bis zu 100%. Damit Entlastung der Kanalisation mit den verbundenen Einsparungspotentialen und mögliche Gebührenminderung bei Städten mit gesplitteter Abwassersatzung.
  • Durch die Verdunstung des gespeicherten Wassers ergibt sich eine Verbesserung des Umgebungsklimas: Kühlung und Luftbefeuchtung.
  • Ökologische Ausgleichsflächen, Lebensräume für Tiere. Anerkannte Minderungsmaßnahme bei der Eingriffs-Ausgleichsregelung.
  • Verbesserung der Luftschalldämmung aufgrund der größeren Schwingungsträgheit der Gesamtfläche und gute Schalladsorption wegen der Struktur der Vegetation.
  • Filterung von Luftschadstoffen und Feinstaub. Minderung von Elektro-Smog.
  • Verbesserung des Arbeits- und Wohnumfeldes für die Menschen, insbesondere bei einseh- bzw. begehbaren Dachbegrünungen.
  • Dachbegrünungen bieten eine optische Aufwertung der Gebäudearchitektur, Imagewerbung, „Grün am Bau“.
  • Bei Intensivbegrünungen: zusätzliche Wohn- und Nutzfläche (Sport, Spiel, Freizeit).
Dachbegrünung Bild Dachbegrünung Bild

Grüne Dachlandschaften bieten Mehrfachnutzen

Es gibt viele Argumente, die für die Begrünung von Dächern sprechen – einige davon lassen sich auch in Euro und Cent aufrechnen. Ob und in welcher Höhe sich das Gründach gegenüber einem unbegrünten Dach bezahlt macht, hängt von verschiedenen Fakten ab, unter anderem von der inneren Einstellung des Bauherren und der verantwortlichen Planer. Sie alle haben es in der Hand, die vielen positiven Wirkungen von Dachbegrünungen zu nutzen. Rechnen wird sich das begrünte Dach in allen Fällen – in irgendeiner Form. In Deutschland werden jährlich etwa 10 Millionen Quadratmeter Dachfläche neu begrünt, davon etwa 80 Prozent extensiv und 20 Prozent intensiv. „Intensiv“, das heißt nutzbar als erweiterten Lebensraum. Der Trend zu genutzten Dachlandschaften hält an. Im Nachbarland Niederlande ist das Verhältnis fast umgekehrt – da wird der überwiegende Teil der Dächer intensiv begrünt und genutzt.

 

Umsetzungen von Dachbegrünungen in der Praxis

In Deutschland spielen für die Dachbegrünung zwei Gesetzesvorgaben eine große Rolle: die Eingriffs-Ausgleichs-Vorgaben des Bundesnaturschutzgesetzes und die Entwicklung der Berechnung der Abwassergebühren, die früher oder später in allen Bundesländern durch eine gesplittete Abwassergebühr (Schmutzwasser getrennt vom Niederschlagswasser) erhoben werden. In Nordrhein-Westfalen haben dies die Mehrzahl aller Städte bereits umgesetzt. In der Praxis heißt das, dass viele Dächer aufgrund von Bau- und Naturschutzauflagen begrünt werden müssen und immer mehr Dächer freiwillig begrünt werden, weil Teile der Kosten für die Niederschlagswassergebühr eingespart werden können.
Bisher entstand der Eindruck, dass viele Bauherren und Planer die Dachbegrünung als „notwendiges Übel“ akzeptiert haben, ohne sich über deren vielfältige positiven Funktionen bewusst zu sein. Dabei gibt es bei den gängigen Extensivbegrünungen keinen statischen Mehraufwand gegenüber einem Kiesdach und auch die wurzelfeste Dachabdichtung muss nicht mehr kosten als eine nicht-wurzelfeste Ausführung. Bei Hallenbauweisen mit größeren Spannweiten können Mehrkosten in der Statik auftreten, die mit den Einsparungen bei  Ausgleichsmaßnahmen und Regenrückhaltebecken gegen gerechnet werden können. Und das Argument der Folgekosten (Pflege) lässt sich leicht entkräften – durch die Begrünung werden in vielen Städten anteilig Niederschlagswassergebühren eingespart. Zieht man dann noch die schwer zu beziffernden Einsparungen bei Wärme und Klimatisierung, Wohnwerterhöhung, Klimaschutz usw. hinzu, ist eher verwunderlich, warum nicht noch mehr Dächer begrünt werden.
Die Tendenz zu nutzbaren Intensivbegrünungen mit Freizeit- und Verkehrsflächen ist spürbar und hält nunmehr seit Jahren an. Viele Kaufhäuser, Geschäfte, Einkaufszentren, Hotelanlagen, Schulen, Kindertagesstätten, Parkhäuser usw. sind so angelegt, dass sie grüne, begehbare „Oasen“ darstellen und für den Menschen zusätzlichen „Wohnraum“ bilden. Es entstehen Spiel- und Sportplätze, Pausen- und Rückzugsräume, Wege, Teichanlagen und ein Unterschied zum gewachsenen Boden ist nicht mehr zu erkennen. Und das Reizvolle für alle Investoren – der Baugrund für diese weiteren Nutzflächen ist kostenlos. Er wurde ja schon ebenerdig bezahlt und erfährt „oben“ eine „Zweitnutzung“. Und die Kosten der beschriebenen intensiven Dachbegrünungen sind bei weitem geringer als die Kosten eines neuen Bauplatzes – man muss sich nur die Grundstückspreise in größeren Städten vor Augen halten. Ganz davon zu schweigen, dass vor allem in Ballungszentren freie Bauplätze Mangelware sind.

 

Dachbegrünungen rechnen sich

Die bisher durchgeführten Kosten-Nutzen-Analysen von HÄMMERLE (1995 und 2002), KOLB (1997), MANSCHEK (1997), LIETCKE (1998), HOFFMANN (1999), KRUPKA (2001) und MANN (2003) lassen sich aufgrund unterschiedlichem Ausgang nicht direkt miteinander vergleichen. Richtungsweisend war die Veröffentlichung von HÄMMERLE (1995), der als Erster eine ausführliche Analyse erstellte, die vielen Autoren als Leitfaden diente. In einem Punkt sind sich alle Autoren einig – begrünte Dächer rechnen sich:
Vorteil Herstellung und laufende Kosten pro Jahr im Betrachtungszeitraum gegenüber einem Kiesdach: durchschnittlich um 0,99 € / m² mit Einzelwerten von 0,16 € bis 2,71 €.

 

Zusammenfassung

Dachbegrünungen vereinen eine Vielzahl an positive Wirkungen, die sich je nach den örtlichen Gegebenheiten nachweisbar rechnen können, so dass in bestimmten Fällen ein Gründach Kostenvorteile gegenüber einem unbegrünten Dach aufweist. Die Rahmenbedingungen für eine positive Gründachbilanz werden mittelfristig in Deutschland durch die flächendeckende Umsetzung der gespaltenen Abwassersatzung noch besser. Zudem ist es nur eine Frage der Zeit, bis Dachbegrünungen auch ein bestimmter Wert an Wärmedämmleistung zuerkannt wird, womit sich weiteres Einsparpotenzial ergibt. Es kann festgehalten werden, dass wir mit begrünten Dächern auf dem richtigen Weg sind - in Ökologie und Ökonomie.